Buchvorstellung: The Buying Brain

Buchvorstellung: The Buying Brain

The Buying Brain ist ein Buch geschrieben von A. K. Pradeep, dem Geschäftsführer des selbsternannten Marktführers im Bereich Neuromarkteing, NeuroFocus. Allein diese Tatsache hat mich neugierig auf den Inhalt gemacht. Leider ist es kein sehr fundiertes Buch – nach der Lektüre weiß man mehr über den Autor und sein Unternehmen als über Neuromarketing oder das menschliche Gehirn.

Mein Urteil in einem Satz: Interessante Werbung für NeuroFocus, leider ohne echten Mehrwert.

Der Autor

A.K.PradeepA. K. Pradeep ist, wie bereits erwähnt, Geschäftsführer und ich glaube auch Gründer von NeuroFocus, dem wahrscheinlich bekanntesten Neuromarketing Unternehmen der Welt. Wie Herr Pradeep zum Neuromarketing kam, ist mir nicht bekannt, nach der Lektüre seines Buches bezweifle ich jedoch, dass sein Interesse in einer neurowissenschaftlich fundierten Grundausbildung begründet liegt. Wenn es um neurowissenschaftliche Fakten geht, bleibt Herr Pradeep meist vage – das gilt sowohl für sein Buch, als auch für alles Informationsmaterial, das von Seiten von NeuroFocus zu bekommen ist. Dafür hat Herr Pradeep ein großes Vermarktungstalent. The Buying Brain ist Teil einer großen Marketingkampagne, die dazu diente die Firma NeuroFocus bekannt zu machen – und in diesem Ansinnen war das Buch durchaus erfolgreich.

Die wichtigsten Fakten

The Buying Brain ist im Jahr 2010 bei John Wiley & Sons erschienen, eine Übersetzung ins Deutsche ist bislang nicht erfolgt und ist daher auch eher unwahrscheinlich. Das Buch kostet beim Verlag $ 18.99, als ebook bekommt man The Buying Brain bereits für $ 12.99. Bei Amazon kann es derzeit für 21,10 EUR erworben werden, wobei dieser Preis nicht dem deutschen Preisbindungsgesetz unterliegt und daher schwanken kann.

Meine Meinung zu “The Buying Brain”

In Brno sagte ein Kollege zu mir, das Buch sei Marketing fürs Neuromarketing – und damit hat er voll ins Schwarze getroffen!

The Buying Brain ist auch für Leser, die lange nicht mehr Englisch gelesen haben, relativ leicht verständlich geschrieben – sofern man sich nicht daran stört, dass alles sehr überschwänglich positiv dargestellt wird. Man merkt Herrn Pradeep an, dass er eine möglichst breite Zielgruppe erreichen wollte und dass er sein Publikum eher in potenziellen Geschäftskunden seiner Firma als in Neurowissenschaftlern vermutet.

Womit wir auch schon zum ersten großen Schwachpunkt des Buches kommen: Es bleibt die ganze Zeit über sehr oberflächlich. Herr Pradeep beschreibt zwar in blumigen Worten, was seine Firma misst und warum das gemessene unabdingbar wichtig fürs Marketing ist, doch selbst mit neurowissenschaftlicher Vorbildung ist es mir nicht gelungen herauszufinden, was genau er mit seiner “deep subconscious response” meint. Das ist natürlich beabsichtigt, da es verhindert, dass Konkurrenten Herrn Pradeeps Methodik kopieren und da er so wissenschaftlich nicht angreifbar ist. Andererseits bewirkt dieses Vorgehen auch, dass sich in mir Zweifel in Bezug auf die Zuverlässigkeit seiner Methode regen. Tatsächlich habe ich versucht in ein paar eigenen Experimenten dahinter zu kommen, was genau die “deep subconscious response” ist – ohne Erfolg.

Der zweite große Schwachpunkt ist meiner Meinung nach, dass an den Stellen, an denen tatsächlich mal in die Tiefe gegangen wird, nur wenig neues geschrieben steht. Die großen Erkenntnisse fürs Marketing, die Herr Pradeep anpreist, sind eigentlich allesamt bekannt und auch ohne Hirnforschung bereits bewiesen worden. Es gelingt ihm weder Marketingsprozesse neurophysiologisch zu unterfüttern, noch einen bedeutsamen Beitrag der Neurowissenschaft fürs Marketing herauszuarbeiten – von der mysteriösen deep subconscious response einmal abgesehen.

Zusammenfassung: Das Wichtigste in 50 Wörtern

The Buying Brain ist ein Werbetext der Firma NeuroFocus, verfasst von dessen Geschäftsführer A. K. Pradeep. Das Buch bringt weder neue Erkenntnisse fürs Marketing, noch für die Neurowissenschaft und ist damit eigentlich irrelevant. Der einzige interessante Ansatz, die deep subconscious response, bleibt vage. Am spannendsten ist die Selbstdarstellung des Autors.

 

Hinweis: Discover-neuro.de nimmt am Partnerprogramm von Amazon Teil. Sollte das rezensierte Buch über den oben stehenden Link bestellt werden, fließt ein kleiner Teil des Erlöses an den Autor dieser Rezension.